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BUND Kreisverband Schmalkalden-Meiningen

Eine Lebensader für Mensch und Natur

So wie hier zwischen Wasungen und Walldorf hat die Werra noch einige naturnahe Abschnitte. Hier führt die natürliche Gewässerdynamik zur Schaffung von Habitaten wie Prallufer (z.B. für den Eisvogel) oder auch Kiesbänken, die für viele Wanderfischarten Laichhabitat sind. Foto: S. Gunkel

Die Werra entspringt im Thüringer Schiefergebirge. Sie schlängelt sich zwischen Thüringer Wald und Rhön hindurch, ehe sie sich nach fast 300 Kilometern bei Hannoversch Münden mit der Fulda zur Weser vereinigt. Die vielen Bäche und Flüsse des Werra-Systems prägen die Landschaft im Süden und Westen Thüringens sowie in Teilen Hessens und geben ihr einen besonderen Charme. Um Vielfalt und Lebensräume im gesamten Einzugsgebiet der Werra zu erhalten und zu entwickeln, hat die Deutsche Umwelthilfe gemeinsam mit den Umweltverbänden BUND und NABU im Oktober 2000 die Aktion "Lebendige Werra" ins Leben gerufen.

Der Eisvogel ist durch übertriebenen Gewässerausbau ein seltener Gast an unseren Flüssen geworden. Foto: O. Hahn

Die Werra ist vielerorts durch salzige Abwässer der ehemaligen Kaliindustrie, durch Stauanlagen, Quermauern, Uferbefestigungen und -begradigungen stark beeinträchtigt. Wo natürliche Überschwemmungsflächen, Ufervegetation, und natürliche Uferstrukturen wie Prall- und Gleithänge sowie Kies- und Sandbänke fehlen, haben viele am Fluss lebende Arten weder Nahrungsgrundlage noch Laich- oder Brutplatz.

Visionen

  • Die Natürlichkeit und Schönheit des gesamten Werra-Einzugsgebietes soll erhalten und verbessert werden.
  • Kanalisierte Abschnitte sollen verschwinden, Auwälder neu entstehen, Altarme wieder an den Flusslauf angebunden werden und der Lachs soll wieder die Werra aufwärts steigen.
  • Der Werraschutz wird gemeinsam mit Bürgern, Kommunen, Schulen, Verwaltungen und Betrieben umgesetzt und nicht gegen sie. Die „Lebendige Werra“ will ein Netzwerk von Werrafreunden knüpfen.
  • Im Rahmen des Projektes „Lebendige Werra“ werden über die Jahre verschiedene Einzelprojekte umgesetzt, die zur Nachahmung anregen sollen.
  • Wichtiger Bestandteil der „Lebendigen Werra“ ist neben der Umweltbildung vor allem eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit.

Der Lebensraum Werra

Das Einzugsgebiet der Werra und ihrer Nebenflüsse umfasst insgesamt 5496 km². Die Werra weist besonders im Ober- und Mittellauf noch viele naturnahe Gewässerstrecken auf. Immerhin sind ca. 20 % des Flusslaufes den Gewässerstrukturgüteklassen 1-3 (sehr gut bis mäßig beeinträchtigt) zuzuordnen. Ein Großteil dieser Abschnitte liegt im Oberlauf des Flusses. Trotz relativ vieler unpassierbarer Querbauwerke ist die Fisch- und Makrozoobenthosfauna noch in relativ typischer Zusammensetzung vorzufinden. Besonders die sauberen und strukturreichen Abschnitte der Oberläufe, die der Forellen- und Äschenregion zuzurechnen sind, bilden wichtige Reproduktionshabitate für kieslaichende Fischarten.
Die Werra ist eines der wichtigsten Fließgewässer im Freistaat Thüringen und innerhalb der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie als ein landesweit prioritär zu entwickelndes Gewässer ausgewiesen.

Ziele und Teilprojekte

Die wichtigsten mittelfristigen Ziele des Projekts "Lebendige Werra" sind:

  • Ökologische Durchgängigkeit wieder herstellen.
    Vor allem für die verschiedenen Wanderfischarten, unter anderem auch für den Lachs ist eine longitudinale Durchgängigkeit der Werra notwendig. Diese ökologische Durchgängigkeit für Fische und Makrozoobenthos wird auch von der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie für einen Guten Zustand der Gewässer bis 2015 gefordert.

Ein konkretes Projekt ist der Umbau des Hochwasserrückhaltebeckens bei Grimmelshausen. Dazu wurde 2003 eine Machbarkeitsstudie gestartet, mit der die verschiedenen Varianten des Umbaus untersucht werden. Ziel ist die Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit unter Beibehaltung des bisherigen Hochwasserschutzes.

  • Förderung der naturverträglichen Auennutzung und der Uferrandstreifen, Förderung der Auwaldentwicklung, Wiederanbindung von Altarmen.

Probleme, die zu lösen sind:

  • Zur Wasserkraftnutzung, für den Hochwasserschutz und zur landwirtschaftlichen Nutzung befinden sich viele kleine und mittlere Querbauwerke an der Werra. Leider sind diese oftmals noch nicht durchgängig für Fische und Makrozoobenthos.

  • Salzhaltige Abwässer aus dem Bergbau haben zwar abgenommen, führen aber immer noch zu einer extremen Versalzung der Werra und der Weser.

  • Intensive Landwirtschaft in der Flußaue sowie ungenügend breite Ufer-Randstreifen gefährden die Wasserqualität.

  • Durch Bebauung der Flußaue gehen Hochwasserretentionsräume verloren.

  • Im Regionalen Raumordnungsplan sind allein in Thüringen mindestens 6 neue Flußquerungen durch Straßenbau vorgesehen.

  • Kiesabbau in der Werraaue führt zu einer völligen Veränderung des Landschaftbildes, zu Grundwasserabsenkungen und zu einer erhöhten Verdunstung.

  • Durch zu intensiven Bootstourismus in sensiblen Regionen sind Störungen der gewässerspezifischen Tierwelt, z.B. des Eisvogels zu befürchten. Hier müssen Tourismus und Naturschutz in gemeinsamer Verantwortung Lösungen finden.

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